24. September 2018

Über 200 Menschen bei der Mahnwache für den Erhalt von Friedrichsfeld

Großer Zuspruch Mahnwache Friedrichsfeld (Foto: Manfred Schuster)

Am vergangenen Sonntag hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Kreisgruppe Friesland, zu einer Mahnwache gegen die Zerstörung von Friedrichsfeld aufgerufen. Über 200 Menschen waren dem Aufruf gefolgt und zeigten sich äußerst besorgt über die geplanten Maßnahmen auf dem ehemaligen Standortübungsplatz.

Thomas Coldewey, stellvertretender Vorsitzender des BUND Friesland, stellte die einzigartige Naturlandschaft von Friedrichsfeld dar. „Hier kommen Tier- und Pflanzenarten vor, die man sonst im nordwestdeutschen Raum nicht mehr finden kann“, schildert er den Sachverhalt. Ein Teil der geschützten und schützenswerten Biotope sollen für die Herstellung von Lebensraum für Wiesenvögel zerstört werden. Coldewey mahnte eindringlich, dass wir nur diese eine Welt hätten und sorgsam mit ihr umgegangen werden müsse. Die Zerstörung wertvollen Lebensraumes für gefährdete Arten zähle ganz sicher nicht zu einem verantwortungsvollen Umgang. „Es ist absurd, wertvollen Lebensraum zu vernichten, um anderen Lebensraum herzustellen“, so Coldewey weiter.

Manfred Schuster, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Nord-West, stellte heraus, dass die A 20 für den nordwestdeutschen Raum überflüssig sei. „Die Niederlande und Rotterdam freuen sich, wenn die Deutschen ihnen eine Rennstrecke an den deutschen Seehäfen vorbei baut“, sagte Schuster. Die deutschen Häfen hätten den Schaden. Mit Blick auf die massiven Straßenschäden dieses Sommers wäre es dringlicher, die Straßen im hiesigen Raum zu sanieren.

Susanne Grube, Sprecherin des Schutz- und Klagefonds gegen die A 20, stellte den Zusammenhang zwischen den Maßnahmen in Friedrichsfeld und der A 20-Planung her. Sie skizzierte den langen Weg vom Beginn der Planung bis zur Baugenehmigung. Grube appellierte an die Zuhörer, in ihrem Protest nicht nachzulassen und warb um finanzielle Unterstützung für die Klageverfahren.

16. Mai 2018

„Wer ernährt die Welt und wie soll das geschehen? Agrarkonzerne versus bäuerliche Landwirtschaft“ - Umkehr in der Agrarpolitk notwendig

K. Lanje, Y. Takang, F. Ademba in Hollwege (Foto: K. Resak)

Etwa 20 Personen verfolgten am 8. Mai in Westerstede-Hollwege die Veranstaltung „Wer ernährt die Welt und wie soll das geschehen? Agrarkonzerne versus bäuerliche Landwirtschaft“, die von der Kreisgruppe Ammerland des BUND in Kooperation mit MISEREOR ausgerichtet wurde. Zu Gast waren Kerstin Lanje und Kathrin Resak von MISEREOR sowie Frank Ademba (Generalsekretär des Nationalkomitees für Familiäre Landwirtschaft Tanzania) und Yvonne Takang (ACDIC Kamerun), die die aktuelle Agrarpolitik, deren Auswirkungen und Lösungsmöglichkeiten für die kleinbäuerlichen Familien in Afrika vorstellten.

Zunächst präsentierte Kathrin Resak einige Fakten. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen produzieren den Großteil der globalen Nahrungsmittel (in Afrika und Asien 80 Prozent) und bewirtschaften etwa 60 Prozent der weltweiten Ackerfläche. Dabei erzeugen sie auf ihren vergleichsweise kleinen Flächen – 83 Prozent der weltweit 537 Millionen Bauernhöfe bewirtschaften unter 2 Hektar Land – oftmals einen deutlich höheren Nährwert und einen höheren finanziellen Ertrag pro Hektar als die industrielle Landwirtschaft. Zugleich leben 70 Prozent aller Hungernden auf dem Land und ein Großteil von ihnen ist in der Landwirtschaft tätig. Afrikanische Länder, die sich einst selbst versorgen konnten, sind heute dazu nicht mehr in der Lage: sie produzieren Agrarprodukte für den Export und nicht für den eigenen Verbrauch. Die Globalisierung der Lieferketten bedeutet zugleich, dass die Ernährungssouveränität verloren geht.

Gesellschaftliche Konflikte entstehen durch die Verletzung von Land- und Menschenrechten, z.B. durch Vertreibung der kleinbäuerlichen Familien von tradiert genutztem Ackerland ihres Dorfes zu Gunsten von Agrarinvestoren. Für Tanzania beschrieb Frank Ademba die Lage so: „Die Agro-Konzerne und ausländischen Unternehmen wollen den Agrarsektor kontrollieren, insbesondere die Märkte rund um Saatgut, Dünger, chemische und andere agrarische Inputs. Das ist ein ernstes Risiko für die nachhaltige Landwirtschaft von Kleinbauern.“ Yvonne Takang forderte pointiert: „Lasst uns einfach Zeit und in Ruhe und selbständig die Landwirtschaft entwickeln, ohne sogenannte Entwicklungshilfe und Einflussnahme aus dem Ausland.“

Fazit: Exportorientierung der EU-Agrarpolitik, Subventionen in den Industrieländern, einseitige Handelsabkommen und Standardanforderungen, erschwerter Marktzugang für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen insbesondere in Entwicklungsländern führen zu der paradoxen Situation, dass die hiesige industrielle Landwirtschaft mit ihrem Raubbau an Ressourcen für einen Export produziert, der in den Ländern des Südens den bäuerlichen Familien dort die Existenzgrundlage nimmt!

Die nachfolgende Diskussion stützte die Forderung von MISEREOR, dass für eine nachhaltige Ernährungssicherung die kleinbäuerliche, arbeitsintensivere und eine auf Vielfalt ausgerichtete agrarökologische Landwirtschaft entscheidend ist. Gleichzeitig sind eine Änderung der EU-Agrarpolitk, gerechte Handelsabkommen und der Schutz der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in den Entwicklungsländern notwendig.

16. April 2018

Eröffnung Ausstellung „Milch reist nicht gerne, Milchbauern schon“ – gute Resonanz und intensive Diskussion

Etwa 40 Personen verfolgten am 9. April der Eröffnung der Ausstellung „Milch reist nicht gerne, Milchbauern schon“ im Kreishaus  in Westerstede. Nach der Begrüßung durch Landrat Jörg Bensberg mit dem Appell, Lösungen im Dialog miteinander zu finden, erläuterten Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung von Misereor, und Ottmar Ilchmann, Landesvorsitzender der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) mit Kurzvorträgen die aktuellen Situation auf dem Milchmarkt und die Hintergründe zur Ausstellung.  

Kerstin Lanje präsentierte eine Weltkarte mit dem durchschnittlichen Frischmilchverbrauch. Auf dieser zeigten weite Gebiete Afrikas und Asiens einen sehr geringen Milchkonsum, mithin die Exportmärkte für europäische Milch, deren steigende Produktionsmengen innerhalb Europas kaum abzusetzen seien. Kerstin Lanje schilderte die Auswirkungen dieser Exporte in Burkina Faso, wo die lokalen Produzenten sich in einem ungleichen Wettbewerb mit europäischen Produkten wiederfinden. Dabei kann eine burkinische Molkerei mit einer Verarbeitungsmenge von täglich 50 l Milch sechs Frauen Arbeit geben und vielen Familien die Möglichkeit, ihre Milch direkt an die Molkerei abzuliefern. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung und Dorfentwicklung vor Ort geleistet!

Ottmar Ilchmann (AbL) schlug anschließend den Bogen zum hiesigen Milchmarkt und den Rahmenbedingungen für die Milchlandwirte in unserer Region. Er stellte dar, dass nach dem Wegfall der Milchquote unverantwortliche Überproduktion nicht nur Bauern in den afrikanischen Exportländern das Leben schwer macht, sondern auch den Markt für deutsche und europäische Milchbauern ruiniert. Sie verursacht immer wieder Krisen, die viele Betriebe die Existenz kosten. Weniger wäre mehr, meinte Ilchmann und verwies auf Qualitätsprodukte wie die Weidemilch aus Niedersachsen.

In der sich anschließenden Publikumsdiskussion kreisten die Fragen um die Verantwortung der Milchbauern und Molkereien in Europa und mögliche Lösungen. Dabei wurde schnell die Vielschichtigkeit des Themas deutlich: Pflanzen und Tiere finden in unserer Agrarlandschaft keinen Lebensraum mehr, die Qualität der Gewässer leidet, bäuerliche Betriebe müssen aufgeben und zugleich wird Landwirten in den Ländern des Südens die Chance auf Entwicklung genommen. Und klar wurde auch, wie groß die Widerstände in Agrarindustrie und weiten Teilen der Landwirtschaft gegen Veränderungen sind, ungeachtet der sozialen Folgen und den Schäden für Umwelt, Tier und Mensch.

Die Ausstellung ist im Kreishaus in Westerstede noch bis zum 11. Mai zu sehen.

17. Februar 2018

Mehr Lebensraum für Vögel beim Jaspershof

Am Samstag, 17. Februar hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Ammerland gemeinsamen mit Vertretern der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) 17 Vogelnistkästen beim Jaspershof in Westerstede aufgehängt. Die Nistkästen waren von der Holzwerkstatt der LEB hergestellt worden. Sie wurden an Bäumen auf dem Gelände des Jaspershofes und am dortigen Waldrand aufgehängt. "Die Nisthilfen bieten Ersatzlebensräume für unser gefiederten Freunde, wie Meisen, Sperlinge, Rotschwänze und viele mehr", erläutert Susanne Grube, die Vorsitzende des BUND Ammerland. Edgar Ruhm vom Werkstattprojekt Ganderkesee der LEB freut sich, "dass die LEB mit ihrer Arbeit etwas Sinnvolles unterstützen konnte". Es wurden weitere gemeinsame Naturschutzprojekte verabredet.

15. Februar 2018

Mitgliederversammlung BUND Kreisgruppe Ammerland

Zu Beginn der Mitgliederversammlung schilderte Susanne Grube als Vorsitzende die durchgeführten Veranstaltungen und Aktivitäten der Kreisgruppe Ammerland des BUND e.V. in 2017. So fanden diverse Vorträge zu verschiedenen Themen rund um Umwelt und Natur statt. Es gab mehrere Baumpflanzaktionen im Ammerland, der BUND führte Exkursionen zum Aper Tief und Hankhauser Moor durch, Nisthilfen wurden für Insekten sowie Vögel gebaut und aufgehängt. Die Kreisgruppe gab als Umweltschutzverband eine Vielzahl an Stellungnahmen zu Planungen und Schutzgebietsausweisungen ab und beteiligte sich an den Arbeitskreisen Verkehr und Landwirtschaft des BUND Landesverbandes. Ferner war die Kreisgruppe in Ausschüssen und Arbeitskreisen im Ammerland zum Naturschutz und Insekten, zu LEADER sowie der Naturschutzstiftung Ammerland vertreten und nahm als beratendes Mitglied am Ausschuss für Landwirtschaft und Umweltschutz des Landkreises Ammerland teil. Mit Infoständen war die Kreisgruppe auf dem Tag der deutschen Imkerei und im Park der Gärten anlässlich der Veranstaltung „Genuss im Nordwesten“ präsent.

Der Kassenbericht stellte für 2017 einen Überschuss fest, der u. a. auch durch Spenden erwirtschaftet werden konnte. Der Vorschlag von Susanne Grube, den Schutz- und Klagefonds gegen die A20 für die rechtlichen Auseinandersetzungen um die A 20 finanziell zu unterstützen fand bei den anwesenden Mitgliedern einhellige Zustimmung.

Nach Entlastung des Vorstandes und dessen Bestätigung - Vorstandsmitglieder sind neben der Vorsitzenden Susanne Grube, Jörg Jänicke und Helmut Rademacher (Kassenwart) - folgte eine Kurzvorstellung des Programms für 2018. Geplant sind u. a. im April die Ausstellung „Milch reist nicht gerne – Milchbauern schon“ über eine Reise u. a. von Milchbauern nach Burkina Faso, mehrere Vortragsveranstaltungen u. a. zum Thema Landwirtschaft und Entwicklungsländer im April und Mai, Exkursionen von Westerstede zum Aper Tief und eine Abendwanderung in Moorburg, Teilnahme an der Veranstaltung im Park der Gärten zu Boden und Wasser gemeinsam mit BUND Oldenburg im Juli, ein Fotowettbewerb und eine zentrale Veranstaltung zum Thema Regionalisierung im August, im September ein Wochenendseminar zur "Permakultur", die Teilnahme am Apfeltag im Park der Gärten im Oktober sowie Aktivitäten mit der Wiesengrundschule in Bad Zwischenahn.

Das vorläufige Programm 2018 ist hier zu finden.

Das Treffen der Kreisgruppe findet an jedem dritten Donnerstag im Monat um 20 Uhr im Jaspershof in Westerstede statt.

15. Februar 2018

Stummer Frühling - Ursache und Auswirkung des Insektenrückgangs

In der bis auf den letzten Platz gefüllten ehemaligen Waschküche des Jaspershof informierte Susanne Grube über die dramatische Bestandssituation der Insekten, der artenreichsten Organismengruppe, auf die in Deutschland 70 % aller Tierarten entfallen.

So zeigen Studien einen Rückgang der Insektenvielfalt um 80 % in den letzten 25 Jahren. Im gleichen Zeitraum verschwand die Hälfte der Tagfalterarten in Europa. Deutschlandweit sind laut Roter Listen rund 38 % der Insekten in ihrem Bestand gefährdet oder ausgestorben. In Niedersachsen werden 62 % der Wildbienen als gefährdet oder verschollen angesehen und 58 % der Großschmetterlinge. Zudem schrumpfte nach einzelnen Studien auch die Biomasse der Insekten in den letzten 30 Jahren um 75 %.

Zuerst trifft es die Spezialisten wie z.B. den Aurorafalter, der als Raupenfutterpflanze das Wiesenschaumkraut sucht, aber immer seltener findet. Dann verschwinden die Allerweltsarten, mit dramatischen Auswirkungen auf Nahrungsnetze und Ökosysteme: der Rückgang an Vogelarten und -individuen ist auch auf den Verlust an Insekten zurück zu führen, die für ihre Jungen keine Insekten als Futter finden.

Ursachen für diese dramatische Situation sind laut Susanne Grube nach wie vor der Einsatz von Pestiziden (vor allem der Neonicotinoide), die Versiegelung (70 % der Wildbienen leben im Boden, aber täglich werden 70 ha versiegelt), die Lichtverschmutzung, der Verlust an Lebensräumen und Nahrung. So nahm z.B. die Dauergrünlandfläche 1995 – 2010 in der Region Weser-Ems um über 28 % und im LK Ammerland um über 32 % ab. Zum quantitativen kommt der qualitative Verlust: feuchtes, mesophiles, extensiv genutztes Grünland gehört heute zu den bedrohten Biotoptypen. Die Verinselung solcher artenreichen Flächen, der Verlust von Säumen, kurze Bearbeitungsintervalle und gleichzeitige Bearbeitung großer Flächen, hohe Düngergaben bringen einen Rückgang vor allem nektarliefernder Kräuter mit sich und entziehen vielen Insekten Nahrung und Lebensraum.

Und das ist auch volkswirtschaftlich bedeutsam. Etwa ein Drittel unserer Nahrungsmittel hängt von der Bestäubung durch Insekten ab. Die Bestäubungsleistung der Bienen entspricht in Deutschland einem Wert von etwa zwei Milliarden Euro jährlich, in der EU 22 Milliarden Euro, weltweit 153 Milliarden Euro. Wildbienen erhöhen deutlich die Effektivität der Bestäubung durch die Honigbiene.

Eine Trendwende ist laut Susanne Grube nicht absehbar. Aber jeder und jede kann etwas tun: den Garten etwas naturverträglicher gestalten, z.B. schon durch eine Pflasterung, in deren Ritzen Wildbienen eindringen können, keine Pestizide einsetzen, einheimische "ungefüllte" Stauden und Wiesenblumen ausbringen, einfach etwas mehr „Unordnung“ zulassen oder sich für Blühstreifen einsetzen…

"Bäume statt CCS" am 31.10.2010 in Westerstede

Ein breites Bündnis aus BUND, NABU, Naturschutzgemeinschaft Ammerland, Lokale Agenda 21 Wiefelstede, Schutzgemeinschaft Ländlicher Raum Nordwest e.V., Ammerländer, Bad Zwischenahner und Rasteder GRÜNEN und FDP-Ratsfraktion Westerstede nahm die bundesweite Initiative "Bäume statt CO2-Endlager" zum Anlass und pflanzte unter den Augen von Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß und Bauhofsleiterin Enne Meyer am Wanderweg hinter der Brakenhoffschule eine Vogelkirschallee.

Trotz strömenden Regens und zeitgleichem Westersteder Markt trafen sich mehr als 20 Aktive aus den beteiligten Organisationen und verdienten sich den anschließenden Kuchen, indem sie die 21 gespendeten Bäume fachgerecht in die bereits vom Bauhof ausgehobenen Pflanzlöcher pflanzten.

Hiermit soll der Öffentlichkeit deutlich gemacht werden, dass die Menschen im Ammerland die aktuellen politischen Bestrebungen, CO2 aus neuen Kohlekraftwerken abzuspalten und in unterirdischen Kavernen endzulagern, ablehnen. Mit den Vogelkirsch-Bäumen wollen die BürgerInnen einen kleinen konkreten Beitrag zum Klimaschutz leisten - verbunden mit der Forderung an die Politik, von der CCS-Technologie abzulassen und auf neue klimafeindliche Kohlekraftwerke zu verzichten.



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